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Achim Wagners Skulpturen im Grünidyll. Blaura schmückt den Garten.

Es grünt so grün im Garten an der Hammerschmidtstraße. Üppig die Sträucher und Bäume, die sich im Wind einander zuneigen. Dazwischen Beete mit blühenden Blumen - und Skulpturen. Aus Eisen, lackiert oder verzinkt. Wir sind in Achim Wagners Zaubergarten.

Ein Wechselspiel von Natur und Kunst, eine Labung für die Augen, ein Fest für die Sinne, ein Spiel der Assoziationen mit der menschlichen Figur im Mittelpunkt. Auf rund 800 Quadratmetern im Schlagschatten der evangelischen Pauluskirche in Bulmke hat sich der Schlosser und Stahlbildhauer Achim Wagner, 46, ein Refugium geschaffen, mitten in der Stadt und doch an deren Rand. Hektik, Lärm, Unruhe - hier spürt man nichts davon. Es lässt sich durchatmen an diesem Ort. Hier darf der Mensch Mensch sein - und so erlebt der Mitarbeiter und Betriebsrat von Thyssen-Schalker Verein diese Idylle als Dialog mit dem Ich. Acht von seinen insgesamt 60 seit fast 20 Jahren entstandenen Arbeiten hat er auf diesem Grundstück am Haus Nr. 16 außen installiert.

„Da sitze ich vor der Laube im Grünen und sehe diese Figuren, mit denen ich Zwiesprache halte. Sie werden ganz menschlich für mich, sie haben ein Gesicht, einen Körper, sogar eine Seele. Und sie haben eine Geschichte, sie vertreten eine Aussage, eine Botschaft, sie geben sie an andere weiter. Diese Plastiken leben mit mir, mit der Natur "Pfingsten scheint ihm der ideale Anlass, um über diese Konstellation nachzudenken - Stadt, Garten und Kunst als faszinierende Einheit, als eine Fragen an uns stellende Synthese, als Auftrag aber auch an andere, Ähnliches zu versuchen, sich auf Natur, Ästhetik und Urbanität einzulassen.

Achim Wagner, der inzwischen schon einige wichtige überregionale Ausstellungen bestückte und auf etliche Ankäufe stolz verweisen kann, lernte mit 14 Jahren Betriebsschlosser. Seit 32 Jahren gehört er der Thyssen-Industrie/ Schalker Verein an. In den dortigen Werkstätten fand er die technischen Bedingungen vor, die seine kreative Begabung förderten: Mit Genehmigung der Firmenleitung konnte und kann er dort sägen, feilen, löten, schneiden, schrauben, lackieren.

So entstehen - meist nach Skizze oder kleinformatigem Modell - ein „Minotaurus" und ein „Faun", eine „Gitarrenspielerin" und eine bewegliche „Graffiti-Figur", ein „Reißverschluss-Pas de deux" und ein „Hahn-Mann". Kleine und lebensgroße Plastiken, skurril, fantasievoll, poetisch, in der heiklen Balance von Gegenständlichkeit und Abstraktion: Werke, die typisch für den Autodidakten sind. Wagners handwerkliche Bodenständigkeit findet sich in ihnen ebenso wie seine gedankliche Kühnheit - die Freiheit des Künstlers, Gestaltung und Ideal zu kombinieren.

Man nennt mich im Betrieb den Klüngelskerl, weil ich alles aufhebe und sammle. Aus Schrott entstehen meine Figuren, ich veredle das Abfallmaterial. Ich kann fast alles wiederverwenden." Wenn er dann die weggeworfenen Materialien um sich arrangiert, „sehe ich plötzlich ein Symbol, einen bestimmten Ausdruck. Schon entzündet sich meine Fantasie. Das ist dann der spannendste Moment, wenn ich an das Kombinieren der Einzelteile gehe und selbst noch nicht ganz genau weiß, was am Ende entstehen wird."

Beeinflusst von den Großen der Kunst in diesem Jahrhundert wie Pablo Picasso oder Ossip Zadkine entwickelt Wagner seinen eigenen Kosmos. Kubismus, Expressionismus und technisches Formarsenal ergänzen sich zur Kunstsprache. Der Garten scheint der beste Ausgangspunkt zu sein für ästhetische Problemstellung. Denn woher nahmen die Künstler ihre Anregungen? Aus der Natur, aus dem Organismus des Lebens, aus dem Kreislauf von „Stirb und werde". Dieser Spur folgt auch der gebürtige Gelsenkirchener, der vieles ausprobierte, bis er in den metallischen Figuren seine „Nachrichten vom Ich" fand.

„Ich verschlang Bücher, wollte Musik machen, kaufte mir ein Akkordeon, eine Flöte, eine Gitarre. Aber das war alles nur eine Laune. Bei der Kunst wurde ich heimisch. Das ist mein Metier."
Wobei er den Begriff „Kunst" für sich nicht reklamiert - „Ich bin ein Handwerker, der einen Gedanken formuliert und diesen mit der Gesellschaft konfrontiert". Ist das nicht eine ausgezeichnete Definition von Kunst? Achim Wagner wird, sollten die Pfingsttage mit Sonne aufwarten, den Garten aufsuchen, mit seinen Figuren sprechen. Oder er schwingt sich aufs Rad - und besucht das nächste Museum, in dem er sich neuen Diskussionsstoff holt.

Quelle: WAZ Gelsenkirchen 30. Mai 1998
H. J. Loskill

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